Bei Gelb bitte trinken

Bei Gelb bitte trinken

Wasserglas
Foto: manfredrichter/pixabay.com

Technische Hilfsmittel unterstützen
regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme

Der Mensch muss trinken, um sich wohlzufühlen und gesund zu bleiben. Senioren haben zwar einen geringeren Wasserbedarf als junge Menschen, dennoch sind gerade sie durch Flüssigkeitsmangel (Dehydration) gefährdet. Intelligente Sensortechnik kann helfen, ans Trinken zu erinnern oder eine drohende Austrocknung früh zu bemerken.

Mit zunehmendem Alter nimmt das Durstgefühl ab. Das ist einer der Gründe, weswegen Ältere oft schlicht vergessen, ausreichend zu trinken. Hinzu kommen an Demenz erkrankte Menschen oder solche, die aufgrund von Schluck-, Greif-, Seh- oder ähnlichen Beeinträchtigungen an der regelmäßigen selbstständigen Wassereinnahme gehindert werden.

Die Liste der Folgen eines Flüssigkeitsmangels ist lang: rissige Lippen, ein trockener Mund, Kopfschmerzen, Übelkeit, zunehmende Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit. Das Risiko der Bildung von Harnsteinen sowie die Gefahr einer Thrombose erhöhen sich. Im Extremfall drohen Nieren-, Kreislauf- oder Herzversagen und der Tod durch Verdursten.

Mittlerweile haben sich Wissenschaft und Industrie des Themas angenommen. Sie wollen intelligente Hilfsmittel entwickeln, die das Risiko einer Dehydration bei Senioren verkleinern. Meistens handelt es sich dabei um Technologien, die den betroffenen Menschen über Sensoren überwachen.

Am Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik der RWTH (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule) Aachen wurde ein Sensor entwickelt, der eine drohende Austrocknung anzeigen kann. Er funktioniert über vier Elektroden, die auf den Körper geklebt werden und den Wassergehalt in den Muskeln anzeigen. Auch die Möglichkeit von Sensorwäsche, die Ernährungszustand und Flüssigkeitshaushalt überwacht, wurde ergründet.

Die Diakonie Neuendettelsau bereitet sich seit Anfang 2018 im Rahmen des Projekts „Pflege der Zukunft“ auf die Erprobung des intelligenten Pflegepflasters moio.care vor. Diese Technologie, die einen Hauptsensor, der am Körper getragen wird, sowie Sensoren in der Umgebung umfasst, überprüft nicht nur den Wasserhaushalt von Patienten, sondern erkennt auch, wo sie sich aufhalten, ob sie gestürzt sind und ob sie im Bett umgelagert werden müssen. Derzeit wird die Testinfrastruktur in der Diakonie aufgebaut, erste Testungen sind für 2019 geplant. Sie soll und wird zeigen, inwiefern die Pflegekräfte die Sensortechnik im laufenden Pflegebetrieb tatsächlich als Entlastung erleben, wie die Gepflegten selbst sie annehmen und ob sie sich positiv auf deren Wohlbefinden auswirkt.

An einem weiteren Sensorpflaster gegen die Gefahr der Dehydration wird an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gearbeitet. Über die Haut überwacht es den Wasserhaushalt einer Person und fordert beim Bedarf zum Trinken auf. Seine Messergebnisse übermittelt es entweder über eine App auf ein Smartphone, direkt ins Internet (wo sie von Dritten ablesbar sind, zum Beispiel von einem Arzt oder Trainer) oder an ein spezielles Armband. Dieses Armband ist farbcodiert wie eine Ampel und meldet so direkt den Wasserhaushalt im Körper: Bei Grün ist alles in Ordnung. Leuchtet es gelb auf, sollte getrunken werden. Ignoriert der Nutzer diese Aufforderung, schaltet das Armband auf Rot, vibriert oder sendet ein akustisches Signal, um auf die Verschlechterung des Zustands aufmerksam zu machen. Gedacht ist das Sensorpflaster sowohl für Senioren als auch für Sportler oder Berufstätige, die vor lauter Stress während der Arbeit nicht genug trinken.

Noch steckt die Forschung rund um intelligente Hilfsmittel, die das Risiko von Dehydration verkleinern sollen, in den Kinderschuhen. Doch die ersten Ansätze sind vielversprechend. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis ein serienreifes Produkt auch für Privatpersonen – für junge und ältere – auf den Markt kommt. Darauf trinken wir!

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