Das Gedächtnis ankurbeln

Das Gedächtnis ankurbeln

Wie ein Tablet Senioren geistig fit hält

 

Senioren-Tablet von Media4Care
Das Tablet wurde speziel für die Betreuung von Senioren und Menschen mit Demenz entwickelt. Foto: Media4Care

Seit einiger Zeit gibt es ein Tablet, das als technisches Hilfsmittel extra für die Betreuung von Senioren und Menschen mit Demenz entwickelt wurde. Älteren Menschen und deren Angehörigen soll es das Leben erleichtern, Freude bereiten und sie enger mit der Familie vernetzen. Seit der Markteinführung wurde es immer weiterentwickelt und hält auch für die Zukunft Entwicklungspotential bereit.

„Durch was wird Sprudelwasser erzeugt?“, fragt das Tablet Media Dementia des Unternehmens Media4Care und stellt dem Benutzer die Antworten „Vitamine oder Kohlensäure“ zur Auswahl. Es ist ein speziell für Senioren mit oder ohne Demenz entwickeltes Tablet, das mithilfe von Bildern, Videos, Musik oder einem Quiz das Gedächtnis ankurbeln soll. So kann sich der Senior auf unterhaltsame Weise geistig fit halten.

Der Gründer von Media4Care, Marc Aurel Engels, hat das Demenz-Tablet ursprünglich für seinen Großvater entwickelt, der an Demenz erkrankt war. Engels erlebte selbst, wie schwer es ist, einen Zugang zu demenziell erkrankten Menschen aufzubauen. Bei einem Besuch im Pflegeheim nahm er sein privates Tablet mit und merkte schnell, wie viel Freude seinem Großvater das Betrachten der Inhalte machte. „Aus dieser Motivation heraus ist unser Unternehmen entstanden“, erklärt Philip Franta, Leiter der Geschäftsfeldentwicklung bei Media4 Care. Neben Engels arbeiten in dem jungen Unternehmen noch weitere Personen, die als Angehörige von Menschen mit Demenz direkt von dem Thema betroffen sind. „Dementsprechend waren wir von Anfang an so nahe wie nur möglich am Markt dran und haben die Medieninhalte zusammen mit Experten aus Wissenschaft und Pflege erarbeitet“, führt Franta weiter aus. So ist in Kooperation mit dem Kleeblatt Pflegeheim in Freudental und dem Kleeblatt Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz das Senioren-Tablet entstanden.

 

Benutzeroberfläche Senioren-Tablet Media4Care mit einer Quizfrage
Rätsel sind bei Senioren sehr beliebt und eignen sich auch für die Gruppenbetreuung. Foto: Media4Care

Wer rastet, der rostet

Es sind einfache Alltagsübungen wie Lieder, Spiele oder Gedächtnisübungen, die sich auf dem Tablet befinden. Sie wurden zusammen mit Experten entwickelt und schulen die kognitiven Fähigkeiten des Seniors. Die Filme oder Bildsammlungen auf dem Gerät wirken unterstützend, wenn es darum geht Erinnerungen zu wecken. Das kann zum Beispiel eine Videosequenz vom Meer oder das Foto eines spielenden Hundes sein. Eines haben alle gemein: Sie erleichtern den Zugriff auf zurückliegende Erfahrungen. Dadurch kommt man mit den Pflegebedürftigen deutlich leichter ins Gespräch und kann sich austauschen. Die Inhalte von Media Dementia können außerdem durch einen TV-Anschluss auf einen Bildschirm übertragen werden und so auch für die Gruppenbetreuung eingesetzt werden.

Um den Senioren den Umgang mit dem Gerät so leicht wie möglich zu machen, wurde darauf geachtet, dass zum Bedienen keine technischen Vorkenntnisse erforderlich sind. Vor allem dadurch unterscheidet es sich von der riesigen Auswahl verschiedener Tablets, die in der Regel fast immer für ein jüngeres Publikum entwickelt wurden. Bei dem Senioren-Model von Media4Care ist das Programm bereits vorinstalliert und das Gerät sofort betriebsbereit. Auf weitere Anwendungen, abgesehen von dem eigentlichen Programm, hat man bei dem mobilen Endgerät bewusst verzichtet. Das vermeidet unnötige Verwirrung und die Betroffenen können es leichter selbst bedienen. In diesem Zusammenhang hat das Jungunternehmen durch extra große Buttons, einer stabilen Hülle und durch eine einfache Benutzeroberfläche zusätzlich für eine seniorengerechte Handhabung gesorgt. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Tablet nicht gekauft werden muss. Es wird vom Hersteller für eine monatliche Lizenzgebühr von 35 Euro zur Verfügung gestellt. Der kümmert sich auch um die entsprechenden Verträge mit Telekommunikationsanbietern und liefert das Gerät mit einer integrierten SIM-Karte. Eine Kaufoption gibt es derzeit noch nicht. Für Neukunden wird allerdings eine 14-tägige kostenlose Testphase angeboten.

 

Benutzeroberfläche Senioren-Tablet Media4Care mit einfacher Menüführung
Die Benutzeroberfläche wurde bei den Tablets von Media4Care bewusst einfach gehalten. Foto: Media4Care

Hohe Resonanz bei Pflegeeinrichtungen

Mit dem digitalen Assistenz- und Betreuungssystem ist es den Machern von Media4Care gelungen, die Pflege und den Zugang zu demenziell Erkrankten zu erleichtern. Das beweisen die mehr als 2.500 Pflegeheime in Deutschland, die das Tablet für die Betreuung und Aktivierung von Senioren bereits einsetzen. 2015 gewann das Projekt den Innovationspreis der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, womit Projekte prämiert werden, die nachhaltig einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. Seitdem hat sich das Unternehmen nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sondern die Entwicklung stetig vorangetrieben. Vor einem halben Jahr wurde das Familien-Tablet für Senioren auf dem Markt eingeführt. „Damit können auch fittere Senioren ihr Gedächtnis trainieren und von den sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten profitieren“, berichtet Franta. „Zusätzlich bietet unser Senioren-Tablet speziell für Senioren entwickelte Videotelefonie- und Messenger-Lösungen.“

Die neuste Entwicklung aus dem Hause Media4Care ermöglicht es älteren Menschen, mit der Familie digital in Kontakt zu bleiben und an den täglichen Erlebnissen ihrer Kinder und Enkelkinder teilzuhaben. Die Zeit zwischen Besuchen kann so überbrückt werden, ohne auf den Austausch mit der Familie zu verzichten. Während dem Senior Nachrichten oder Bilder auf dem Tablet automatisch angezeigt werden, ohne dass ein Handeln erforderlich ist, wird auf der anderen Seite der Kommunikation eine Smartphone-App oder ein Computer benötigt. Bereits jetzt steht fest, dass dies nicht die letzte Neuerung war, die Media4Care auf den Markt gebracht hat: „Denn Potential zur Weiterentwicklung ist natürlich stets vorhanden“, blickt Franta in die Zukunft.

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