Ein fast echter Assistent namens Billie

Ein fast echter Assistent namens Billie

Sein Name ist Billie. Er bewegt sich natürlich. Seine Stimme ist angenehm und wenn er spricht kann man ihn unterbrechen. Das stört ihn nicht einmal. Über den Alltag eines digitalen Begleiters.

Der genannte Herr ist ein Avatar, ein digitaler Assistent, der Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten durch den Tag helfen soll. Wenn man den smarten Fernseher anschaltet und Billie dann auf dem Bildschirm vor einem steht, kann man ihn zum Beispiel fragen was heute am Tag ansteht. So wie man einen anderen Menschen fragt. Oder er trägt Termine in einen Kalender ein wenn dem Heimbewohner einfällt was er noch tun muss. Er kann sogar Vorschläge machen, abgestimmt auf die Person. Das klingt dann so: „Am Donnerstag war bisher nichts eingetragen, ich hätte einen Vorschlag. Testperson: Ja. Billie: Lesekreis von 9.00 bis 11.00, soll ich das mal so eintragen? Testperson: Ja, das finde ich gut, da hab ich Lust zu.“ Auch auf Zuruf sind neue Einträge in den Terminkalender möglich. Billie reagiert darauf sehr souverän. Da könnte man dann zum Beispiel sagen: „Aber warte mal Billie, ich brauche einen neuen Termin. Billie: Gut, ein neuer Eintrag. Dann sag mir bitte den nächsten Termin.“ Billie soll seine Nutzer wie ein Kompass durch den Tag führen. Er kann Menschen auch daran erinnern Sport zu treiben oder eine Bekannte anzurufen. Das Projekt mit Namen Kompass der Uni Bielefeld und den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Es ist ein spartenübergreifendes Projekt unter Beteiligung von Forschern des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld, welche mit Wissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen und der Fachhochschule Bielefeld kooperieren.

Damit Billie natürlich wirkt mussten die Wissenschafter ersteinmal untersuchen wie wir gestikulieren beim sprechen miteinander, um daraus Rückschlüsse für Billie zu ziehen. Ein erstaunliches Ergebnis kam heraus nachdem viele Personen gefilmt wurden in der Interaktion mit anderen. Sie haben dabei mehr als 5000 verschiedene Gesten verwendet. Am Anfang beherrschte Billie sogar die Gestik von mehr als 20 verschiedenen Versuchspersonen. Damit wurde Billie seltsamerweise aber nicht verstanden.
Am Ende wurden als Verhaltensmuster die Daten von einer Person eingebracht. Damit wurde die Gestik nur einer Person nachgebildet und kein Durchschnittswert genommen.

Senior in Heim vor Bildschirm
Rechte: von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

In einer erste Studie mit Bewohnern des Altenzentrums wurde der Assistent schon als ein angenehmes Gegenüber akzeptiert. Die Versuchspersonen fassten den digitalen Begleiter weniger als technischen Unterstützung auf. Im zweiten Schritt ist Billie sensibler geworden, hat Körpersprache und Mimik verstehen gelernt. Er soll Müdigkeit und Verwirrung erkennen und kann sich nicht nur kognitiv sondern auch emotional an seine Schützlinge anpassen. Im Ernstfall kann er einen Notruf auslösen oder eine Skype-Verbindung zur Familie herstellen.
Gerade möchte man erreichen dass 3 Heimbewohner drei Wochen lang mit dem Avatar in ihrer Wohnung in Bethel, der Diakonischen Einrichtung der von Bodelschwinghschen Stiftungen, gemeinsam wohnen.
In diesem übergreifenden Forschungsprojekt finden sowohl ethische als auch juristische Fragen Berücksichtigung wie beispielsweise auch die Fragen, inwieweit der Assistent in den Alltag eingreifen kann ohne eine Person zu bevormunden. Welche Angaben darf der Assistent aufzeichnen? Wann soll es ihm gestattet sein, den Bewohner per Kamera zu filmen?
Auch aus diesem Grund arbeiten noch bis Ende September 2018 u.a. Informatiker, Sozialpsychologen, Linguisten, Juristen und der Leiter der Fachstelle für Ethik und Anthropologie der LMU München zusammen. In Zukunft wird es eine Kooperation mit KogniHome geben, einem ebenso geförderten Projekt zu einer mitdenkenden Wohnung,
um die Technik in die Probewohnung in Bethel einzubauen.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=8lTcppqBr74

Informationen unter:

https://scs.techfak.uni-bielefeld.de/kompass/

 

 

 

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