Der Hausnotruf: bewährtes Hilfsmittel für Senioren

Der Hausnotruf: bewährtes Hilfsmittel für Senioren

Es gibt viele altersgerechte Assistenzsysteme, die das selbständige Leben von älteren Menschen fördern und erleichtern. Eines, das sich durchgesetzt hat, ist der Hausnotruf.

Ein junger Mann begleitet eine Seniorin.
Ein Angehöriger hilft seiner Mutter.
Foto: mohamed_hassan/ pixabay.com

Hausnotruf Systeme sind in vielen deutschen Wohnungen zum Alltag geworden. Dies macht sich an den wachsenden Kundenzahlen der Anbieter fest, sowie der Tatsache, dass die Pflegekasse anteilig Kosten übernimmt. Die gewährte Unterstützung auf Knopfdruck bietet Senioren das benötigte Sicherheitsgefühl, um weiter selbstbestimmt in vertrauter Umgebung zu wohnen.

Was ist ein Hausnotruf?

Es handelt sich um ein elektronisches Meldesystem. Privatpersonen tragen einen Alarmknopf am Körper, über den sie sich schnell Hilfe in Notsituationen holen können. Ein Mitarbeiter des Dienstleisters meldet sich auf Knopfdruck sofort und leitet entsprechende Maßnahmen ein. Das Hausnotruf System ermöglicht somit Menschen länger zuhause zu wohnen und sich dabei sicher zu fühlen.

Junge Frau in Notrufzentrale
Die Notrufzentrale meldet sich sofort, wenn der Notknopf gedrückt wird und leitet entsprechende Maßnahmen ein. Foto: MashiroMomo/ pixabay.com

Wie wird der Melde-Service angenommen?

Seit Anfang der 80er Jahre gibt es den häuslichen Notruf. Heute ist das System ein stetig wachsender Markt. Jedoch zeigt die Tabelle einer Deutsches Rotes Kreuz (DRK)-Broschüre aus Heidelberg, dass die Kunden erst zögerlich die neue Technik annahmen. Im Jahr 1995 waren es noch weniger als 200, im Jahr 2010 schon 1.600 Kunden und heute versorgt die Heidelberger Kreisstelle 2.900 Menschen. Im September 2017 schätzte die Initiative Hausnotruf die Kundenzahl in Deutschland auf eine knappe Million Nutzer.

Laut Christian Niesen, dem Koordinator des Hausnotruf Systems des DRK Heidelberg, verringert sich jedoch mittlerweile die Verweildauer beim Kunden: „Man wartet so lange wie möglich, denn man ist noch nicht alt. Der Übergang vom Hausnotruf bis ins betreute Wohnen oder Pflegeheim ist kürzer geworden.“ In Heidelberg gäbe es immer weniger Geräte, die länger als ein Jahr in Privatwohnungen stehen.

Für wen ist der Alarmknopf geeignet?

Der Hausnotruf eignet sich für ältere Menschen, aber auch für Jüngere, mit körperlichen Einschränkungen oder chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Rollstuhlfahrer, Epileptiker oder Diabetiker.

Vor allem älter werdende Menschen verlassen ungern ihre gewohnte Umgebung. Oft bedeutet ein Umzug in ein Heim auch den Abbruch der nachbarschaftlichen sozialen Kontakte. Der Hausnotruf ermöglicht ein längeres Verbleiben in den eigenen vier Wänden und steigert somit die Lebensqualität von Senioren.

In vielen Fällen sind es die Angehörigen, die sich mehr Sorgen machen als die Senioren selbst. Für sie ist es oft beruhigend zu wissen, dass ihre älteren Verwandten sich in Notfällen Unterstützung rufen können und sie selbst darüber schnell informiert werden.

Callcenter meldet sich bei Sohn.
Mitarbeiter der Servicezentrale
benachrichtigen im Notfall auch die Angehörigen.
Foto: mohamed_hassan/pixabay.com

Wie funktioniert der Notfallsender?

In der Wohnung steht ein Basisgerät mit Lautsprecher und Mikrofon. Darüber findet die Kommunikation mit Mitarbeitern der Servicezentrale statt. Der Senior selbst bekommt einen wasserfesten Alarmknopf, der als Armband oder um den Hals immer am Körper getragen werden sollte. In einer Notsituation kann er zu jeder Tageszeit den Knopf drücken. Daraufhin meldet sich ein Angestellter der Anbieterzentrale über das Basisgerät und nimmt Sprechkontakt auf.

Im Vorfeld legt der Senior eine Telefonliste mit seinen wichtigsten Ansprechpartnern an. Zusätzlich können die Privatpersonen ihre Hausschlüssel entweder bei dem Anbieter selbst, bei Angehörigen, bei Pflegediensten oder bei Nachbarn deponieren (mehr zu Zusatzleistungen).

Nach einem Alarm versucht der Dienstleister mit den Kunden zu sprechen. Je nach Sachlage informiert er Personen der Telefonliste, schickt einen Rettungswagen oder Notarzt, oder fährt selbst hin.

In der Regel reicht ein Basisgerät für die Wohnung aus. Handsender kann es mehrere geben, sodass bei älteren Ehepaaren beide mit Notknöpfen ausgestattet werden können.


Sehen Sie wie der Hausnotruf funktioniert

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Was gibt es beim Hausnotruf für Zusatzleistungen?

In der Regel umfasst das Basispaket die Installation sowie die Wartung der Geräte und den 24-Stunden Service der Notrufzentrale. Grundsätzlich gibt es auch hier Unterschiede, was die Beratung, die Installation und Geräteeinweisung vor Ort, den Kundenservice und die Notfallbearbeitung anbelangt.

Jede Zentrale stellt verschiedene Zusatzleistungen zur Verfügung. Oft wird folgendes optional angeboten:

  • eine Tagestaste, in der individuell programmiert wird wann sich der Senior rückmelden muss, um zu zeigen, dass es ihm gut geht
  • eine sichere Schlüsselhinterlegung in der Zentrale selbst oder einem kooperierenden Pflegedienst
  • Einsatzdienste vor Ort zu jeder Tageszeit
  • Rauch und Bewegungsmelder

Die meisten Hausnotruf Zentralen bieten auch persönliche Lösungen für unterschiedliche Ansprüche an. Das beinhaltet unter anderem das Erinnern an Medikamenteneinnahmen, Sturzsensoren, mobile Notrufe oder eine speziell auf taube oder demente Menschen zugeschnittene Ausführung ( mehr dazu im Interview mit Christian Niesen, DRK Hausnotrufsystem).

Junge Frau steht älteren Frau bei.
Die Notrufzentrale verständigt
auch Nachbarn, die schnell helfen können.
Foto: mohamed_hassan/pixabay.com

Wer bietet den Hausnotruf an?

Der Hausnotruf wird von großen Hilfsorganisationen wie dem DRK, der Johanniter-Unfall-Hilfe und den Maltesern, sowie von Pflegeverbänden und privaten Anbietern angeboten.

Stiftung Warentest hat 2011 zwölf Hausnotrufdienste verglichen. Das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser und die Johanniter-Unfall-Hilfe schnitten dabei mit der Note Gut am besten ab. Quelle: Stiftung Warentest Hausnotrufdienste 9/2011.


Hausnotruf Links

Kostenlos Hausnotruf Systeme vergleichen und regionale Anbieter finden

  • Notrufsysteme-vergleichen Hier können Sie sich kostenlos Anbieter in Ihrer Region heraussuchen lassen.
  • Seniorplace bietet ebenfalls eine regionale Suche für einen Hausnotruf Service an, sowie eine kostenlose telefonische Beratung.

Hausnotruf Systeme der großen Hilfsorganisationen


Was kostet der Hausnotruf?

Die Kosten variieren je nach Anbieter. Stiftung Warentest gibt einen Überblick über die Tarife der zwölf Dienstleister im Vergleich. Die Preise können sich auch regional unterscheiden.

Die einmaligen Anschlusskosten weichen stark voneinander ab und liegen zwischen 7 und 78 Euro.

Das Basispaket gibt es für 18-25 Euro im Monat. Informieren Sie sich was darin enthalten ist. Einige Anbieter installieren die Geräte vor Ort und testen die Reichweite der Funkknöpfe und die optimale Lage des Basisgeräts in der Wohnung. Zudem weisen sie die Kunden persönlich in die Technik ein. Andere Anbieter schicken die Geräte zu und beraten telefonisch.

Die Zusatzkosten für eine Schlüsselaufbewahrung liegen zwischen 5-25 Euro monatlich. Kosten für weitere Dienstleistungen oder Individuallösungen müssen angefragt werden. So kostet laut Christian Niesen bei der DRK Heidelberg der erste Rauchmelder 10 Euro, jeder weitere 5 Euro monatlich.

Welche Kosten werden übernommen?

Der Hausnotruf ist ein vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen anerkanntes Hilfsmittel für Senioren. Die Pflegekasse übernimmt anteilig die Kosten, wenn die Pflegebedürftigen die meiste Zeit des Tages allein leben und einen Pflegegrad haben. In der Regel werden für die Anschlussgebühren 10,49 Euro, sowie eine monatliche Leistung in Höhe von 18,36 Euro erstattet.

Laut einem Urteil des Bundesfinanzhofes, vom 3.9.2015, gilt der Hausnotruf als haushaltsnahe Dienstleistung und ist entsprechend von der Steuer absetzbar.

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