Digitale Unterstützung
bei Demenz

Digitale Unterstützung
bei Demenz

Demenkranke zu pflegen bringt Angehörige oft an ihre Grenzen. Spezifische technische Hilfsmittel bieten Beistand.

Ältere Frau im Park
Seniorin in Park
Foto: silviarita/ pixabay.com

Die Pflege älterer Menschen ist für Angehörige oft eine Herausforderung. Vor allem wenn die Pflegebedürftigen entfernt wohnen und sich eine beginnende Demenz abzeichnet. Intelligente demenzspezifische Technologien können Angehörigen einige Sorgen abnehmen. Technik kann pflegende Angehörige/Freunde/professionelle PflegerInnen von Demenzkranken bei der Betreuung und Pflege entlasten, schreibt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft dazu auf ihrem Portal.

Grundsätzlich sind alle im Artikel Smarte Assistenz für Sicherheit zuhause aufgeführten Anwendungen auch für Demenzkranke geeignet. Ein rein akustischer Alarm wäre jedoch zuwenig, die älteren Menschen können oft darauf nicht mehr adäquat reagieren. Die Sensorik sollte bei Gefahrenlagen sofort Angehörige oder Notrufzentralen benachrichtigen.

Demenzkranke Patienten sind oft noch mobil und körperlich fit, leiden aber unter Desorientierung und Gedächtnisschwund. Stürze drohen, wenn manche versuchen trotz körperlicher Beeinträchtigung aufzustehen. Einige werden nachts aktiv, wandern durch die Wohnung oder versuchen sogar sie zu verlassen. Unauffällig in den Wohnungen platzierte Sensoren können Angehörige bei der Betreuung unterstützen.

Weglauf-/Hinlauftendenz

Viele demenzkranke Senioren spüren den Drang zu einem anderen Ort hinzugehen. Sie wollen Aufgaben erledigen und suchen eine Umgebung, an die sie sich erinnern. Angehörige befürchten ihre Pflegebedürfigen könnten dadurch orientierungslos unterwegs sein und in Not geraten. Eine Alternative zu den wenig attraktiven freiheitsentziehenden Maßnahmen bieten Überwachungstechniken.

  • Mittels GPS Sender in Armbanduhren, Telefonen oder Mini-Tracker für die Hosentasche oder Gürtel können Angehörige die genaue Position ihrer Pflegebedürftigen sehen. Die meisten Geräte können auch leicht zum Telefonieren benutzt werden und haben einen Notknopf.
  • Tagestasten am Hausnotrufbasisgerät haben festgelegte Zeiten an denen sie gedrückt werden müssen, um sicher zu gehen, dass es dem Senior gut geht. Da Demenzkranke vergessen zu drücken, können sie auch mittels Bewegungsmelder zurückgesetzt werden.
  • Bewegungsmuster innerhalb der Wohnung können überwacht werden (mehr zu Bewegungsmeldern ). Zusätzlich zu Sensortrittmatten, Infrarotsperren und Sensoren an Haustüren kann auch ein Bettkantenalarmsystem angewandt werden. Dazu wird eine dünne Sensorfolie zwischen Bettkante und Matratze gelegt. Der Druck der aufsitzenden Patienten löst einen optischen oder akustischen Alarm aus.
Viele Demenzkranke verlieren die Orientierung.
Angehörige fürchten ihre
Pflegebedürftigen finden nicht mehr nach Hause.
Foto: freeGraphicToday/ pixabay.com

Demenz-spezifische Verhaltensanalyse

Die verschiedenen Bewegungsmelder können zu einem Beobachtungssystem zusammengefasst werden. Das System erkennt Abweichungen von normalen Verhaltensmustern, die auf eine fortschreitende Demenz deuten können. Schläft der Vater länger, bewegt er sich weniger oder verliert er den Tag/Nachtrhythmus? Sensoren an wichtigen Punkten wie zum Beispiel an der Medikamentenschublade, dem Kleiderschrank, der Badtür oder dem Kühlschrank können anzeigen, ob Medikamente vergessen, frische Wäsche und Bad nicht benutzt oder weniger Nahrungsmittel entnommen werden.

Erinnerungsstützen

Die Vergesslichkeit der Demenzkranken schränkt deren Selbständigkeit ein. Erinnerungsgeräte können im Alltag unterstützen.

  • Mehrere Kalender oder Uhren bieten eine zeitliche Orientierung. Auf Knopfdruck werden Uhrzeit, Datum und Wochentag angesagt.
  • Spezielle Erinnerungsgeräte rufen dem Pflegebedürftigen eingespeicherte Aufgaben ins Gedächtnis, wenn er einen bestimmten Wohnbereich betritt oder verlässt. So kann beispielsweise vor der Haustür das Gerät die Person ersuchen den Hausschlüssel mitzunehmen oder in der Waschküche die Bedienschritte der Waschmaschine abspielen. Die Geräte können auch an wichtige Termine oder die tägliche Medikamenteneinnahme erinnern. Die Sprachnachrichten können zuvor von den Senioren oder deren Angehörigen aufgenommen werden.
Viele Uhren mit unterschiedlichen Zeiten
Viele Demenzkranke verlieren
den Sinn für Uhrzeit und Datum.
Foto: Sarah_Loetscher/ pixabay.com

Telefone

Es gibt einfach zu bedienende Telefone oder Handys mit nur ein bis drei großen Tasten. Die Tasten können als Direktwahltaste mit Telefonnummern der Angehörigen belegt werden. Es ist auch möglich die Geräte so einzustellen, dass bei beliebig eingegebener Tastenkombination immer eine festgelegte Nummer angewählt wird.

Wasser

Spezielle Vorrichtungen für Wasserhähne können den Wasserstrahl begrenzen. Ein Flussregler in Form eines Stabes kann in den Hahn montiert werden, sodass nur Wasser fließt, wenn der Senior dagegen drückt. Möglich sind auch Mischbatterien mit Infrarotsender, die nur auf Bewegung am Waschbecken reagieren.

Temperatur Unempfindlichkeit

Viele Demenzkranke verlieren ein Gefühl für Hitze und Kälte. Um Verbrühungen durch heißes Wasser vorzubeugen, kann eine Mischbatterie mit Temperaturbegrenzung eingebaut werden. Für eine gleichmäßige Zimmertemperatur können Hausautomationssysteme sorgen. Diese könnten auch Alarm schlagen, wenn bei eisigen Temperaturen übermäßig gelüftet wird.


Sollten Sie Interesse an einem der Systeme haben, empfehlen wir die nationale Referenzdatenbank, das Wegweiser Alter und Technik Portal. Die Seite bündelt die auf dem deutschen Markt vorhandenen Assistenzsysteme. Sie wird vom Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie betrieben und vom BMBF gefördert. Hier können Sie mit Schlüsselwörtern nach Produkten oder Anwendungsfällen suchen.

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