Der vernetzte Sessel

Der vernetzte Sessel

Digitaler Pflegesessel erlaubt mehr als bloß seniorengerechtes Sitzen

 

Ältere Menschen verbringen oft mehrere Stunden am Tag in einer aufrechten Sitzposition. Vor allem dann, wenn Gehen und Stehen zunehmen zum Problem werden. In der Pflege gibt es bereits spezielle Sessel, die pflegenden Angehörigen die Arbeit erleichtern. Durch eine Kooperation aus Forschung, Unternehmer und Handwerk hat ein herkömmlicher Pflegesessel seine digitale Erweiterung erfahren.

Ob Pflegerollstuhl, Reha-Sessel oder Pflegesessel: Die Sitzmöbel sollen die Betreuung von pflegebedürftigen Personen erleichtern. Dabei geht es im Wesentlichen darum, die Betroffenen bei der Pflege möglichst normal in den Tagesablauf zu integrieren. Durch eine Kooperation der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, dem IT-Dienstleister 1.A Connect und der Devita GmbH, einem Hersteller von Pflegemöbeln, hat der klassische Pflegesessel eine digitale Erweiterung erfahren. „Es wird so viel von der Industrie 4.0 und der Digitalisierung geredet“, heißt es in einer Pressemitteilung der 1.A. Connect GmbH. „Wir wollen die hier entwickelten Technologien gezielt für Senioren einsetzen“, berichtet deren Geschäftsführer Klaus Mühlböck über das gemeinsame Projekt.

Vital+ heißt die Funktion des intelligenten Sitzmöbels. Dabei wurde ein moderner Pflegesessel mit digitalen Funktionen ausgestattet. Er erhält Kommunikationsfunktionen, die es Senioren ermöglichen, besser mit Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben. Die Kommunikation via Telefon, Email und SMS erfolgt über ein integriertes Mikrofon und Lautsprecher sowie einem Tablet. Außerdem ermittelt der Pflegesessel über Sensoren Werte einzelner Körperfunktionen, um die gesundheitliche Betreuung der Senioren zu verbessern. Die erhobenen Daten werden dabei lokal im Pflegesessel gesammelt und nur an registrierte Empfänger wie Pflegedienste, Ärzte oder Angehörige nach außen gegeben. „Das ist eine große Erleichterung für pflegebedürftige Menschen und alle an der Pflege Beteiligten“, unterstreicht Frank Dewes, Geschäftsführer der Devita GmbH, die Vorteile auf seiner Unternehmensseite. 

Direkter Zugriff auf Hausautomationen

Per Microcontroller werden alle Funktionen des digitalen Pflegesessels dokumentiert und gesteuert. Über Schnittstellen ist es möglich, mit dem Tablet unterschiedliche Bereiche der Hausautomation zu steuern. So lässt sich vom Sessel aus beispielweise der Fernseher und das Radio bedienen oder das Licht ein und ausschalten. Das Risiko von Stürzen oder allgemein von Unfällen im Haushalt soll dadurch minimiert werden. Bislang gibt es keine vergleichbaren Konkurrenzprodukte. Das haben die Entwickler gemeinsam ermittelt. Um diesen Zustand möglichst lange beizubehalten, macht man sich bereits Gedanken über mögliche Erweiterungen. Geplant ist die Integration einer Waage, einer Sprachsteuerung und eines Tracking-Systems.

Die Ausgaben für so einen Pflegesessel liegen je nach Ausstattung zwischen 5.000 und 6.000 Euro bei Lieferzeiten von vier bis sechs Wochen. Hoffnung auf finanzielle Unterstützung bestehe laut Dewes derzeit noch nicht, denn die Kosten für Hard- und Software würden von den Kassen nicht übernommen werden.

Erfahren Sie mehr im Interview mit Astrid Mühlböck aus dem Entwicklerteam.

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